Nachdem wir von der Werft die Mitteilung erhalten hatten, dass Cataleya entrostet und vollständig poliert war, sind wir sofort nach Sardinien gefahren. Die Arbeiten hatten deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen als ursprünglich gedacht, aber nun war es endlich so weit. Wie immer fuhren wir mit dem Auto nach Livorno, nahmen dort die Fähre nach Olbia und setzten die Reise weiter nach Porto Torres fort. Die Strecke Olbia–Porto Torres werden wir allerdings zum letzten Mal gefahren sein. In wenigen Tagen verlassen wir Porto Torres mit dem Schiff Richtung Süden. Das Auto bleibt vorerst hier und wir holen es später wieder ab.
Porto Torres
In Porto Torres sind wir noch ein paar Tage geblieben. Wir nutzten die Zeit, um einen Techniker zu finden, der uns bei unseren Elektronikproblemen helfen konnte. Mit Unterstützung unseres Werft-Manns Lorenzo fanden wir schliesslich Marco – einen hervorragenden Experten. Seine Diagnose war allerdings alles andere als erfreulich: Der Autopilot war defekt und musste ersetzt werden. Da unsere Gerätegeneration nicht mehr existiert, braucht es ein modernes Modell. Dieses wiederum ist nicht mit dem bestehenden Steuergerät kompatibel, weshalb auch dieses ausgetauscht werden muss. Alles in allem eine komplizierte und vor allem zeitaufwendige Angelegenheit. Wir vereinbarten mit Marco, dass er die benötigten Teile bestellt und sie einige Tage später im Hafen von Alghero einbauen wird.
Die restliche Zeit nutzten wir, um uns von all den Freunden zu verabschieden, die wir hier zurücklassen. Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Porto Torres hat uns eine wunderbare Zeit geschenkt, und wir haben hier echte Freundschaften geschlossen.
La Pelosa
Endlich können wir Porto Torres verlassen. Ein Kapitel schliesst sich, ein neues beginnt. Unser erster Schlag führt uns nach La Pelosa – ein Ort, den wir wirklich vermissen werden. Künftig wird es nicht mehr so einfach sein, kurz die Leinen zu lösen und für ein paar Stunden dorthin zu segeln. Auch wenn wir wissen, dass uns im Süden viel Schönes erwartet, ist die Schönheit von La Pelosa kaum zu übertreffen.
Die Bucht war auch heute gut besucht, und die Stimmung wie immer fast surreal. Wir lagen etwas unruhiger als sonst, das Schiff hat die ganze Nacht gerollt, aber trotzdem waren wir am Morgen beim Wegfahren schon ein wenig wehmütig.
Cala Porto Conte
Wir haben La Pelosa hinter uns gelassen und die Passage dei Fornelli genommen, um auf die Westseite der Insel zu gelangen. Von hier aus geht es nur noch südwärts. Da kaum Wind vorhanden war, fuhren wir unter Maschine. Unser Ziel wurde die Cala Porto Conte – ein Ort, den wir tatsächlich noch nie besucht hatten.
Die Fahrt selbst war unspektakulär, doch die Felsformationen entlang der Küste sind beeindruckend. Gleich nach Capo Caccia öffnet sich die grosse Einfahrt in den Golf. Die Cala Porto Conte war eine sehr positive Überraschung. Das Wasser ist hier zwar nicht so türkis und klar wie in vielen anderen sardischen Buchten, und der Ankergrund war nicht wirklich sandig, aber der Anker hielt hervorragend und wir lagen hier sehr ruhig, fast wie auf einem See. Im grossen Strandrestaurant wurde an diesem Abend eine Hochzeit gefeiert – mit Musik und sogar Feuerwerk. Ganz ruhig war es dadurch zwar nicht, aber wir hatten dafür beste Unterhaltung und eine besondere Atmosphäre, die sehr angenehm war.
Gegen 22 Uhr, während wir im Cockpit bei einem Glas Wein die festliche Stimmung genossen, wurden wir von der Guardia di Finanza (Zoll) kontrolliert. Alles war selbstverständlich in Ordnung, und nachdem die freundlichen Beamten wieder abgelegt hatten, konnten wir den Abend weiter geniessen. .
Alghero
Wieder einmal ist Starkwind angesagt, und deshalb fahren wir etwas früher als geplant in Alghero ein. Hier sind wir mit Marco verabredet, der sich um unsere Elektronik kümmern soll. Die neuen Geräte sind bestellt und sollen in zwei Tagen eingebaut werden. Die Fahrt von Porto Conte nach Alghero war kurz, praktisch nur um die Ecke, und erneut unter Maschine – ohne Windinstrumente zu segeln ist einfach unangenehm. Wir hofften sehr, mit wenig Wind anlegen zu können, denn auch unser Bugstrahlruder ist ausgefallen. Im Moment ist die Situation etwas frustrierend, aber wir setzen darauf, dass nach dem Austausch von Autopilot und Steuergerät endlich wieder alles funktioniert. Und wir wollen uns die Zeit in Alghero trotzdem nicht verderben lassen.
Am Ende blieben wir vier Tage hier. Die Arbeiten waren umfangreicher als erwartet, und obwohl wir schliesslich wieder einen funktionierenden Autopiloten hatten, blieben die anderen Instrumente – Wind, Tiefe, Geschwindigkeit und das Bugstrahlruder – weiterhin ausser Betrieb. Marco und Luigi haben sich wirklich grosse Mühe gegeben, aber offenbar liegt das Problem tiefer als gedacht. Also standen wir vor einer Entscheidung: Hier bleiben, bis alle Ersatzgeräte lieferbar sind und Marco Zeit hat, sie einzubauen – mit entsprechend hohen Liegegebühren – oder ohne Instrumente weiterfahren und die restlichen Geräte später ersetzen. Wir haben uns für die zweite Variante entschieden.
Bosa
Entlang der Westküste Sardiniens gibt es nur zwei Häfen, die wir mit Cataleya aufgrund unseres Tiefgangs überhaupt anlaufen können: Alghero und Bosa. Viel Auswahl bleibt uns also nicht. Wir
machen also einen Halt in Bosa und entscheiden danach je nach Wind, ob wir irgendwo ankern können. Die Westküste ist in dieser Hinsicht etwas heikel, denn die vorherrschenden Winde kommen meist
aus Nordwest. Vor allem bei Mistral bieten die Buchten kaum Schutz. Inzwischen ist es der 25. September, und damit sind Herbststürme nicht auszuschliessen. Gerne hätten wir einen Zwischenstopp in
Torre Grande eingeplant, aber nach einem Telefonat mit dem Hafen war klar: maximaler Tiefgang 2 Meter. Im kleinen Hafen von Buggeru sind es sogar nur 1.60 Meter. Mit unseren 2.30 Metern haben wir
keine Chance. Also warten wir ab, wie sich die Lage entwickelt.
In Bosa geniessen wir die Atmosphäre: einen Apéro und kleine Häppchen am Nachmittag im Hafenrestaurant, später Raclette an Bord – mit einer spektakulären Kulisse über den Fluss Temo. In der
Morgendämmerung brechen wir auf und entscheiden unterwegs, ob wir einen Zwischenstopp einlegen oder direkt bis Carloforte durchfahren.
Carloforte
Nach einem langen, intensiven Tag sind wir nun wirklich angekommen. Schon in Bosa hatten wir entschieden, ohne Zwischenhalt direkt nach Carloforte zu fahren. Einerseits wollten wir endlich in unserer neuen „Heimat“ ankommen, andererseits macht es ohne Instrumente und unter Maschine einfach wenig Freude. Der Himmel blieb den ganzen Tag über grau, und kurz vor Carloforte sah es sogar so aus, als würde ein Gewitter direkt über uns niedergehen. Vor uns herrschte eine fast apokalyptische Stimmung, wir konnten sehen, wie heftig es dort regnete – doch wir selbst blieben verschont. Nach elf Stunden legten wir sicher und trocken in Carloforte an, unserem zukünftigen Zuhause. Nachdem wir uns im Hafenbüro ordnungsgemäss mit den Schiffsdokumenten gemeldet hatten, gingen wir ins Städtchen, um einen Apéro und später das Nachtessen zu geniessen. Ein einfacher Moment, aber für uns bedeutete er viel: Wir sind angekommen. Und wir freuen uns sehr, hier zu sein.
Diese Reise war anders als viele zuvor. Sie war geprägt von wunderschönen Momenten, von Natur und Begegnungen, aber auch von Herausforderungen, die uns begleitet und manchmal gefordert haben. Und doch hat sich alles gefügt: Wir haben Lösungen gefunden, Geduld bewiesen, Hilfe bekommen, Freundschaften gepflegt und neue Orte entdeckt, die uns berührt haben.
Korsika, hat uns einmal mehr verzaubert, Sardinien hat uns empfangen wie alte Freunde, und unterwegs haben wir gelernt, dass nicht immer alles perfekt sein muss, um unvergesslich zu sein. Manchmal entsteht gerade aus dem Ungeplanten, aus dem Improvisieren, aus dem „Wir machen das jetzt einfach so“ der eigentliche Sinn einer Reise.
Die langen Tage unter Maschine, die Suche nach Technikern, die unerwarteten Probleme – all das gehört genauso dazu wie die stillen Abende im Cockpit, die einsamen Strände, das kristallklare Wasser, die Apéros, das Lachen und die kleinen Rituale, die jede Saison besonders machen.
Und nun sind wir angekommen. In Carloforte, unserem neuen „Daheim“. Ein Ort, der uns willkommen heisst und an dem ein neues Kapitel beginnt. Wir sind am Schluss müde aber erleichtert und dankbar – und voller Vorfreude auf alles, was kommt und, auch wenn wir nun in Carloforte angekommen sind, ist die Saison damit noch nicht ganz zu Ende. Im Gegenteil: Hier beginnt ein kleiner, feiner letzter Abschnitt, der sich wie ein Ausklang und gleichzeitig wie ein Neubeginn anfühlt. Wir werden Zeit mit Freunden verbringen, unser Auto in Porto Torres abholen und die Isola San Pietro entdecken.

















































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