Die Saison 2025 wird eröffnet

Am 20. Mai ist es endlich wieder so weit. Wir machen uns auf den Weg nach Livorno, wo die Fähre nach Olbia schon wie ein Versprechen auf Sommer wartet. Die Vorfreude kribbelt in uns. Der Winter war lang, und wir tragen eine tiefe Sehnsucht nach Meer, Sonne, Wind und dem süssen dolce far niente in uns.

Ganz loslassen dürfen wir aber noch nicht – Cataleya ruft nach ein wenig Liebe. In Castelsardo wird sie in der Werft neue Kraft bekommen, während wir zusehen, wie aus Arbeit wieder Vorfreude wird.

Und dann soll es wieder hinausgehen, zurück auf die Reise. Da wir wissen, dass wir Porto Torres und den Norden Sardiniens im Herbst verlassen werden, zieht es uns vorher noch einmal nach Korsika – ein letzter Tanz mit dieser Insel, bevor neue Wege warten.

 

Ferienfeeling bereits auf der Fähre

Für uns beginnt die Reise schon in dem Moment, in dem wir in die Fähre einfahren. Dieses tiefe Brummen des Schiffes, das Licht im Bauch des Decks, das Gefühl, dass der Alltag hinter uns bleibt – all das gehört für uns dazu.

Und auch wenn wir wissen, dass die Preise an Bord manchmal übertrieben hoch sind, lassen wir uns den Apéro und das Nachtessen in gepflegter Atmosphäre nicht nehmen. Es ist ein Stück Vorfreude, ein kleines Fest zum Auftakt, ein Ritual, das uns sanft in den Süden trägt.

Ankunft in Porto Torres

In Porto Torres angekommen, zieht es uns wie immer sofort ans Wasser. Für Mitte Mai war das Wetter überraschend mild, fast schon sommerlich. Die Strände füllten sich bereits, das Leben spielte sich draussen ab, und überall lag dieses leichte, unbeschwerte Gefühl in der Luft, das wir den ganzen Winter über vermisst hatten.

Wir haben uns auf dem Markt eingedeckt, uns kulinarisch verwöhnen lassen und einfach all das aufgesogen, was uns so gefehlt hatte: Farben, Gerüche, Stimmen, Wärme.

Doch noch bevor wir uns eingelebt haben, wartete eine böse Überraschung auf uns – eine, die unsere Stimmung kurz trübte. Aber davon erzähle ich euch später.

Spa für Cataleya ... Genuss für uns

Am 2. Juni konnten wir endlich nach Castelsardo fahren und Cataleya der Werft übergeben. Für die Tage im Städtchen haben wir uns ein Hotelzimmer genommen – ein kleiner Rückzugsort, während unser Schiff ihre Pflege bekam. Die Arbeiten zogen sich hin, doch auf Sardinien überrascht uns das längst nicht mehr. Es gehört fast schon zum Rhythmus der Insel, und wir haben gelernt, uns davon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.

Castelsardo zeigte sich einmal mehr von seiner schönsten Seite. Obwohl wir schon so oft hier waren, entdecken wir jedes Mal etwas Neues: eine Gasse, die wir noch nie entlanggegangen sind, ein Blick aufs Meer, der uns plötzlich den Atem nimmt, ein Duft aus einer Küche, der uns stehen bleiben lässt.

Natürlich haben wir auch selbst an Cataleya gearbeitet, doch es blieb genug Zeit, um zu geniessen – zu schlendern, zu essen, zu schauen, einfach da zu sein. Fünf Tage lang lebten wir zwischen Werft und Altstadt, zwischen Arbeit und kleinen Momenten des Glücks, bevor wir zurück nach Porto Torres fuhren.

Ein absolutes Highlight waren die Delfine, die uns ein Stück begleiteten – wie ein stiller Gruss aus dem Meer.


Ab nach Korsika ... oder doch nicht?

Wir warteten auf ein gutes Wetterfenster, und am 14. Juni war es endlich so weit: Wir setzten die Segel. Unser Ziel war Isola Rossa – nicht zu weit, nicht zu nah, mit seinen 25 Seemeilen genau die richtige Distanz. Castelsardo wäre die Alternative gewesen.

Die Küste, die wir so gut kennen, zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Gleich nach Porto Torres beginnen die endlosen Sandstrände, die sich wie ein goldenes Band bis kurz vor Castelsardo ziehen – und danach, fast nahtlos, weiter bis Isola Rossa. Dazwischen breitet sich eine üppig grüne Landschaft aus, durchzogen von kleinen Ortschaften, die wie Farbtupfer in der Weite liegen.

Für Isola Rossa hatten wir einen Platz im Hafen reserviert.

Isola Rossa

Santa Teresa Galura

Weiter ging es nach Santa Teresa Gallura. Die Fahrt dorthin war angenehm, begleitet von einem beständigen Segelwind. Wir rechneten damit, wegen des angekündigten Starkwinds zwei, vielleicht drei Tage im Hafen bleiben zu müssen, bevor wir nach Korsika übersetzen könnten. Genau so kam es – nur heftiger, als wir erwartet hatten.

Der Wind frischte immer weiter auf, bis er mit voller Kraft über die Küste fegte. Der Hafen füllte sich rasch mit Schiffen, die Schutz suchten. Die Hafenmitarbeiter hatten alle Hände voll zu tun, doch sie blieben ruhig, aufmerksam und hervorragend organisiert. Dank ihnen konnten alle Boote sicher festmachen, ohne Schaden zu nehmen.

Santa Teresa selbst war, wie so oft, ein kleiner Trost. Auch wenn wir schon viele Male hier waren, lohnt sich jeder Besuch aufs Neue. Die vertrauten Gassen, das Licht über dem Wasser, die lebendige Piazza – all das schenkte uns ein Gefühl von Ankommen, während draussen der Wind tobte.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...

Castelsardo

Nach vier Tagen im Hafen von Santa Teresa mussten wir uns eingestehen, dass ein Aufbruch nach Korsika bei diesem Wind keine gute Idee wäre. So sehr wir es auch wollten. Länger in Santa Teresa zu bleiben, fühlte sich auch nicht richtig an. Irgendwann hat man jede Gasse gesehen, jede Bar besucht, und selbst der Strand verliert seinen Zauber, wenn der Nordwind einem den Sand ins Gesicht peitscht. Was also tun? Wir entschieden uns, den starken Wind nicht als Hindernis,  sondern als Chance zu sehen. Wenn er uns nicht nach Norden liess, dann eben nach Westen. Von dort könnten wir später immer noch nach Korsika übersetzen. Also lösten wir am 18. Juni die Leinen und segelten mit wunderbarem Wind westwärts.

Doch kurz vor Castelsardo – ja, schon wieder Castelsardo – wurde der Wind so kräftig und die Wellen so hoch und unangenehm, dass wir spontan umdisponierten. Sicherheit geht vor, und der vertraute Hafen lag zum Greifen nah. Also steuerten wir ihn an, suchten Schutz und liessen den Sturm draussen toben, während wir drinnen die Ruhe im sicheren Hafen geniessen.


La Pelosa

Heute hatten wir einen wunderbaren Segeltag. Von Castelsardo bis La Pelosa konnten wir durchgehend segeln – auf direktem Kurs, ohne eine einzige Wende, ohne eine Halse. Traumhaft. Fast so schön wie die Ankunft selbst: Die Bucht von La Pelosa empfängt einen jedes Mal mit einer Wucht an Schönheit, die man kaum in Worte fassen kann. Dieses türkisfarbene Wasser, der helle Sand, die Ufer links und rechts, die wie gemalt wirken – so etwas sieht man wirklich nicht jeden Tag. Obwohl bereits viele Schiffe vor Anker lagen, fanden wir mühelos ein lauschiges Plätzchen, perfekt für uns und für Cataleya. Wir ankern auf feinstem Sand, in gerade einmal drei Meter Tiefe.

Am Abend haben wir an Bord Fondue gegessen – ein kleines Stück Heimat, vor einer Kulisse, die fast unwirklich schön war. Und weil es so traumhaft war, haben wir kurzerhand beschlossen, noch einen Tag dranzuhängen, bevor wir die Bucht verliessen und Kurs auf Korsika setzten.

 

Heute wechseln wir die Gastlandflagge

Cala Roccapina

Am Morgen waren wir noch in Italien, und sieben Stunden sowie 50 Seemeilen später erreichten wir Frankreich. Gegen 16 Uhr liefen wir in die Cala Roccapina auf Korsika ein und genossen dort die angenehme Stimmung und das schöne Wetter.

Die Überfahrt war allerdings nicht ganz problemlos. Unterwegs hatten wir Schwierigkeiten mit unserer Elektronik: Mehrere Systeme fielen aus, und wir wussten nicht, ob wir das Problem selbst lösen konnten oder ob wir im schlimmsten Fall zurück nach Sardinien hätten segeln müssen. In dem Moment wollten wir jedoch einfach erst einmal ankommen und die Bucht geniessen, bevor wir uns um die Technik kümmern würden.

Propriano

Nach mehreren Nächten vor Anker wollten wir wieder einmal etwas „Zivilisation“ erleben. Die Fahrt nach Propriano verlief problemlos, auch die Elektronik blieb – zumindest ohne neue Alarme – ruhig. Die Strecke dorthin war beeindruckend; die Landschaft ist wild, rau und wunderschön. In Korsika fühle ich mich jedes Mal sofort angekommen und entschleunigt. Dieses Gefühl habe ich sonst nirgends.

Propriano selbst ist eine kleine, ruhige und fast unscheinbare Ortschaft. Der grosse Tourismus scheint hier keine Rolle zu spielen. Die Strände links und rechts des Dorfes sind traumhaft: feiner Sand, kristallklares Wasser und kaum Menschen. Auch in den Bars und Restaurants findet man ohne Reservierung problemlos einen Platz. Es ist einfach herrlich hier.

Campomoro Bucht

Die Bucht von Campomoro ist etwas Besonderes. Sie ist sehr beliebt und auch heute gut besucht, mit vielen Schiffen, die hier liegen. Die Landschaft ist – wie fast überall auf Korsika – wild und beeindruckend. Wir möchten zwei oder drei Tage bleiben und ein paar Ausflüge an Land machen. Unser Anker liegt auf 16 Metern Tiefe, was eigentlich recht viel ist, aber bei ruhigem Wetter und rund 60 Metern Kette problemlos funktioniert. Von hier aus starten auch viele geführte Wanderungen.

Unterwegs hatten wir erneut Probleme mit unserem Schiffssystem und sind langsam etwas ratlos. Im Moment wollen wir aber nicht an Fehlersuche denken, sondern einfach die schöne Atmosphäre und die Umgebung geniessen.

 

Ajaccio

Nach Ajaccio kommen wir immer wieder gerne. Die Stadt ist die Hauptstadt Korsikas und zugleich der Geburtsort Napoleons, der hier am 15. August 1769 zur Welt kam. Er wurde im Maison Bonaparte geboren, kurz nachdem die Insel französisch geworden war, und verbrachte dort seine Kindheit. Vielleicht stellt man sich Ajaccio deshalb imposanter oder „napoleonischer“ vor. Doch die Stadt zeigt sich eher als Ort der Gegensätze – zwischen Kultur, alten Werten und einem Hauch mondänem Leben. Genau das macht ihren besonderen Reiz aus.

Wir haben zwei entspannte Tage hier verbracht: flaniert, geschlendert, korsische Musik in den engen Gassen gehört und auf dem riesigen Markt eingekauft. Es waren wirklich schöne, abwechslungsreiche Tage.

Baie de Cupabia

Es hilft alles nichts: Unsere Elektronik macht weiterhin Probleme, und deshalb wollen wir nicht noch weiter nach Norden segeln. Wir haben uns entschieden, langsam wieder Richtung Süden zu gehen. Solange das Wetter ruhig bleibt, kommen wir auch ohne Instrumente gut zurecht, möchten aber bei einer Verschlechterung schnell nach Sardinien zurückkehren können.

Zwanzig Seemeilen südlich von Ajaccio liegt die wunderschöne Baie de Cupabia. Auch hier gibt es kilometerlange Sandstrände, die nur mässig besucht sind. Uns fällt immer wieder auf, dass die Strände auf Korsika – anders als auf Sardinien – kaum bewirtschaftet werden. Liegen und Sonnenschirme "sucht" man praktisch vergeblich.

Wir sind mit dem Beiboot an den Strand gefahren und haben nach einem Spaziergang entlang des Meeres in der gepflegten Strandbar einen Apéro genossen. Zwei entspannte Tage haben wir hier verbracht, bevor es weiterging.

Plage de Tralicetu

Etwa 15 Seemeilen weiter südlich liegt diese traumhafte Bucht. Hier gibt es keinerlei Infrastruktur, nur pure Natur. Die Wildheit Korsikas wirkt unglaublich wohltuend. Auch hier findet man lange Strände, so einsam, dass man gar nichts anderes tun kann, als am Wasser entlangzulaufen. Es ist echte Nahrung für die Seele.

Der Strand hat eine Besonderheit: Im Norden läuft man über feinen, hellen Sand, im Süden über feinen Kies, der eher goldfarben schimmert. Das Wasser ist – wie überall hier – kristallklar.

Isola Rossa - Sardinien

Wir haben Korsika nur ungern verlassen. Am liebsten wären wir noch viel länger geblieben, aber das ruhige, windarme Wetter soll sich in den nächsten Tagen verabschieden, und wir möchten möglichst vorher wieder in unserem Heimathafen ankommen. Einerseits segeln wir ungern ohne funktionierende Instrumente bei unruhigem Wetter, andererseits haben wir noch ein weiteres Problem, das wir in Porto Torres ebenfalls angehen müssen. Davon erzähle ich euch, sobald wir dort sind.

Unser nächstes Ziel ist erneut Isola Rossa. Wir werden dort einen oder zwei Tage verbringen. Für eine Nacht haben wir einen Platz im Hafen reserviert, die zweite Nacht wollen wir in der Bucht vor dem Strand ankern. Von dort aus sind es dann nur noch wenige Stunden, bis wir wieder „daheim“ sind.

Porto Torres

Wir sind wieder zurück – und wie jedes Mal unglaublich dankbar. Dankbar, dass wir und auch das Schiff heil angekommen sind, und dankbar für all die Erlebnisse, die diese Reise uns geschenkt hat. Jetzt, wo wir wieder vor Ort sind, werden wir noch dies und jenes unternehmen und uns vor allem um die verschiedenen Probleme mit dem Schiff kümmern.

Apropos Probleme: Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich zu Beginn der Saison von einer unschönen Überraschung erzählt habe und versprochen habe, später mehr dazu zu sagen. Bei unserer Ankunft in Porto Torres im letzten Mai haben wir festgestellt, dass Cataleya komplett mit Flugrost überzogen war. Das war ein echter Schock.

Kurz zusammengefasst: Wir entdeckten den Rost, suchten vergeblich nach einer eigenen Lösung und mussten schnell einsehen, dass wir das unmöglich selbst entfernen konnten – es war einfach zu viel. Also meldeten wir den Schaden der Versicherung. Danach folgten die Begutachtung durch den Experten und schliesslich das grüne Licht, die Arbeiten zu vergeben. Mit der Werft im Hafen vereinbarten wir, dass sie ab Mitte Juli mit der Entrostung und der weiteren Behandlung beginnen würden.

Wir waren sehr erleichtert, dass sowohl mit der Versicherung als auch mit der Werft alles geklappt hat. Leider haben wir für die Elektronik noch keine Lösung gefunden und bisher auch keinen Techniker, der sich der Sache annehmen kann.

Unsere Fähre für die Heimreise haben wir für den 16. Juli gebucht – und bis dahin haben wir die verbleibende Zeit hier voll ausgekostet.

 

So sah das ganze Schiff aus


Wir haben am 16. Juli Cataleya verlassen, das Auto geladen und sind nach Olbia gefahren. Von da sind wir mit der Fähre nach Livorno und dann in die Schweiz gefahren. 

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