Im Sommer haben wir Sardinien mit dem Schiff umrundet – ihr erinnert euch sicher. Dieses Mal wollen wir das Ganze wiederholen… nur eben auf vier Rädern statt auf dem Wasser.
Die Idee kam uns, als wir zuerst einen Ausflug nach Argentiera machten und kurz darauf zwei Tage in Bosa verbrachten. Da dachten wir: Warum nicht einfach losfahren, ohne Plan, und die Insel einmal anders entdecken? Sardinien hat so viele Facetten, und viele davon bleiben einem vom Wasser aus verborgen.
Also haben wir Cataleya im Hafen gelassen, den (Auto)Motor gestartet und sind einfach losgefahren. Ohne Route, ohne Zeitdruck, ohne Erwartungen. Und genau dadurch sind wir an Orte gekommen, die wir mit dem Schiff nie erreicht hätten – kleine Dörfer im Landesinneren, versteckte Buchten, Berglandschaften, die man so gar nicht mit Sardinien verbindet. Diese neuen Eindrücke, Perspektiven und Begegnungen möchten wir gerne mit euch teilen.
Kommt mit uns auf eine Reise über kurvige Strassen, durch wilde Landschaften aber auch am Meer entlang und zu Orten, die uns überrascht, berührt und begeistert haben.
Aber fangen wir von vorne an.
So ging es los - Angekommen
Wir fahren mit dem Auto nach Genua und nehmen von dort die Fähre nach Porto Torres. Nachdem wir Cataleya begrüsst haben, wird zuerst der Kofferraum geleert und alles an Bord verstaut. Und dann kommt das, worauf wir uns jedes Mal freuen: die wohlverdiente Stärkung in unserem Stammrestaurant.
Ausflug nach Cala dell' Argentiera
33 Kilometer westlich von Porto Torres besuchen wir heute die Cala dell’Argentiera. Die Beschreibung dieses besonderen Ortes habe ich bereits im Sommer in einem früheren Beitrag erzählt.
Doch heute sehen wir die Bucht aus einer ganz anderen Perspektive – und auch so hat sie uns ausgesprochen gut gefallen.
Die nächsten drei Tage haben wir in und um Porto Torres verbracht. Es war schön, vertraut und entspannt – aber irgendwann wollten wir doch mehr erleben als nur rund ums Haus… oder besser gesagt: rund um unser Schiff. Also sind wir nach Bosa gefahren.
Bosa liegt etwa 100 Kilometer von Porto Torres entfernt. Damit wir die Zeit dort wirklich entspannt geniessen konnten, haben wir ein Zimmer in einem Airbnb gebucht und zwei richtig tolle Tage verbracht.
Ausflug nach Bosa, Tinnura und Alghero
Nach zwei Tagen in Bosa sind wir weiter nach Tinnura gefahren. Der Ort liegt nur wenige Kilometer entfernt und hat uns wirklich überrascht. Tinnura ist eine kleine, sehr sehenswerte Ortschaft – bunt, lebendig und voller Murales, die ganze Hauswände schmücken. Dazu kommen zahlreiche Kunstwerke, die im ganzen Dorf verteilt sind. Ein kurzer Abstecher, der sich absolut gelohnt hat.
Danach fahren wir zurück nach Porto Torres, erneut über Bosa und weiter in Richtung Alghero. Die Strasse zwischen Bosa und Alghero gilt als eine der schönsten Küstenstrassen Europas. Die rund 50 Kilometer lange Strecke bietet spektakuläre Ausblicke auf das Meer, führt durch eine felsige Landschaft und ist zwar kurvenreich, aber sehr gut befahrbar.
Porto Torres und Umgebung
Wir haben wieder ein paar Tage in Porto Torres verbracht und von hier aus kleine Ausflüge unternommen. Porto Torres ist vielleicht nicht bei allen sehr beliebt, aber eigentlich tut man der Stadt damit unrecht. Sie hat viel zu bieten – vor allem eine hervorragende Gastronomie. Auch schöne Strände findet man hier und in der Umgebung, und alles, was man braucht, ist problemlos verfügbar. Wir waren auf dem Wochenmarkt, haben unsere Wäsche im Waschsalon gewaschen und das Auto professionell reinigen lassen – wären wir am Donnerstag dort gewesen, hätten wir sogar zwei Euro gespart.🙂. Ausserdem haben wir eine Weinkellerei und einen Olivenölproduzenten besucht und uns mit Wein und Olivenöl eingedeckt. Und natürlich haben wir uns kulinarisch verwöhnen lassen. Gefeiert haben wir ebenfalls: In Porto Torres ist immer etwas los, gefühlt jedes Wochenende.
Aggius
Aggius ist ein superschönes und gepflegtes Dorf mitten in der Gallura. Der Ort liegt auf gut 500 Metern über dem Meer und ist eingebettet in eine Landschaft aus Steineichenwäldern, landwirtschaftlichen Flächen und markanten Felsformationen. Die Häuser sind aus dem typischen Granit der Gallura erbaut, das historische Zentrum ist liebevoll gepflegt, und die lokale Kultur wird hier sichtbar hochgehalten. Aggius gehört mit gutem Grund zu den Borghi Autentici d’Italia – den authentischen Dörfern Italiens.
Tempio Pausania
Auch das Gemeindegebiet von Tempio Pausania ist übersät mit Monumenten aus der Nuraghenzeit, in denen Fundstücke aus Feuerstein und Obsidian entdeckt wurden. Tempio Pausania zeichnet sich – genau wie Aggius – durch seine aus Granitblöcken erbauten Gebäude aus, die jenen der Dörfer im Süden Korsikas sehr ähnlich sind. Zudem ist die Stadt für ihre Weinberge bekannt: Von hier stammen ausgezeichnete Exportweine wie Vermentino und Moscato. Berühmt ist Tempio Pausania aber auch für seine Thermalquellen, die seit Jahrhunderten genutzt werden und dem Ort einen zusätzlichen, ganz eigenen Reiz verleihen.
Arzachena und Porto Cervo
Arzachena ist eine kleine Stadt in der Gallura, rund 25 Kilometer von Olbia entfernt und ein bekannter Ort an der Costa Smeralda – jenem Symbol des Elitetourismus, der hier in den 1960er‑Jahren seinen Anfang nahm. Zum Aufschwung tragen auch die Schifffahrt, der Granitabbau sowie die renommierten Kellereien bei, die den bekannten Vermentino di Gallura produzieren. Früher bestand Arzachena nur aus ein paar vereinzelten Häusern, heute ist der Ort eine wahre Farbenpracht. Und dann ist da noch die Nähe zu Porto Cervo – einem architektonischen, harmonisch in die Landschaft eingebetteten „Juwel“. Es gilt als exklusivster Urlaubsort Sardiniens und zieht im Sommer beeindruckende Yachten an. Berühmte Persönlichkeiten flanieren durch den Ort, es gibt ein schillerndes Nachtleben, Luxusvillen und Luxushotels, exklusive Restaurants, glamouröse Lokale, Segelregatten und Golfturniere.
Porto San Paolo und San Teodoro
Porto San Paolo liegt besonders idyllisch im Nordosten Sardiniens. Unweit von Olbia fasziniert der Ort mit kleinen, traumhaften Buchten und einem abwechslungsreichen Hinterland. Das Wetter war allerdings recht wechselhaft: von bedecktem Himmel bis Sonnenschein war alles dabei – aber im Oktober muss man ja damit rechnen. Beeindruckend bleibt die Landschaft trotzdem, vor allem dank der Inseln Tavolara und Molara, die majestätisch aus dem Meer ragen. Nicht weit entfernt liegt San Teodoro, ein quirliger Touristenort. Im ehemaligen Fischerdorf pulsiert das Leben zwischen karibisch anmutenden Traumstränden und einem breiten Sportangebot, besonders im Hochsommer. Dazu kommen lebendige Clubs und edle Bars. Im Hinterland hingegen findet man unberührte Natur und pure Entspannung – ein spannender Kontrast, der den Ort so vielseitig macht.
La Caletta und Arbatax
In La Caletta waren wir schon mit dem Schiff, aber in Arbatax waren wir zum ersten Mal. Arbatax ist berühmt für die roten Felsen, die rocce rosse. Sie ziehen so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass alles andere fast in den Hintergrund rückt. Dabei ist die Gegend südlich von Arbatax wunderschön: kilometerlange Strände mit feinstem Sand und Dünen, so weiss wie Schnee. Wir fuhren ein Stück am Meer entlang nach Capo Comino, danach ging es hinauf nach Urzulei und Baunei und anschliessend wieder hinunter nach Santa Maria Navarrese. Von dort aus setzten wir unsere Fahrt in Richtung Cagliari fort. Die Stadt haben wir diesmal nicht besucht – unser Ziel war San Sperate, etwa 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt.
San Sperate
In San Sperate wollten wir den giardino sonoro besuchen. Dieser Klanggarten wurde von Pinuccio Sciola geschaffen, dem wohl berühmtesten Sohn des Ortes. Die zum Teil meterhohen Steinskulpturen sind so bearbeitet, dass jede von ihnen einen eigenen Klang erzeugt, wenn man mit den Fingern darüber streicht.
Ich empfehle die geführte Tour durch diesen Garten sehr – sie ist wirklich ein besonderes Erlebnis. Pinuccio Sciola starb 2016, und der giardino sonoro wird heute von seiner Tochter weitergeführt.
Sant'Antioco
Wir sind jetzt im Südwesten Sardiniens, in Sant’Antioco. Die Insel gehört zur Provinz Sud Sardegna und ist über einen drei Kilometer langen Damm mit der Hauptinsel verbunden. Der Hauptort heisst ebenfalls Sant’Antioco. Weitere sehenswerte Urlaubsorte sind Calasetta und Maladroxia. Sant’Antioco war schon früher eine bedeutende Hafenstadt. Heute ist der Ort vor allem beliebt für entspannte Shoppingtouren und seine schönen Strände. Eine wahre Augenweide sind die alten, liebevoll restaurierten Häuser und das Zentrum mit seinen eleganten Palmen.
Persönlich finden wir Sant’Antioco etwas vom Schönsten, was wir bisher auf Sardinien gesehen haben: mondän, aber trotzdem authentisch, wild und unglaublich vielfältig.
Masua bis Pitzu Idu
Heute haben wir vor allem Strände gesucht – und über Stock und Stein auch gefunden. Die Wege waren zum Teil ziemlich abenteuerlich, aber die Wow‑Erlebnisse haben alles mehr als wettgemacht. Die Westküste Sardiniens ist atemberaubend schön. Mehr Worte braucht es wirklich nicht.
Masua
Capo Pecora
Irgendwo Unterwegs
Bosa -> Porto Torres
It's the End
Nachdem wir nach Porto Torres zurückgekehrt sind, konnten wir es nicht lassen, noch einmal mit Cataleya hinauszufahren. Wir sind nach La Pelosa gesegelt – quasi unsere Hausbucht – und haben dort die Nacht vor Anker verbracht. So haben wir uns von der Saison 2024 verabschiedet.
Wieder im Hafen haben wir Cataleya viel Liebe gegeben und sie winterfest gemacht, bevor wir dann Ende Oktober in die Schweiz zurückgefahren sind.
So endet unsere Reise durch Sardinien – eine Insel, die uns immer wieder überrascht hat. Wir haben Küsten entdeckt, die uns den Atem geraubt haben, Dörfer voller Geschichte und Charakter, Orte mit Seele, und Menschen, die uns mit ihrer Herzlichkeit begegnet sind. Wir sind gesegelt, gefahren, gelaufen, gestöbert, probiert, gestaunt und haben uns treiben lassen.
Und am Ende standen wir wieder bei Cataleya, in unserem vertrauten Hafen, und wussten: Diese Saison war reich. Reich an Eindrücken, an Begegnungen, an Momenten, die bleiben.
Sardinien hat uns nicht nur Orte gezeigt, sondern Stimmungen, Farben, Gerüche, Klänge. Und vielleicht ist das das Schönste: dass man am Ende nicht nur weiss, wo man war, sondern auch, wie es sich angefühlt hat.
Mit einem letzten Blick zurück, einem kleinen Stich im Herzen und viel Vorfreude auf das, was kommt, haben wir die Saison 2024 verabschiedet. Und wie immer bleibt das Gefühl: Wir kommen wieder.








































































































































































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