Starkwind ist im Anmarsch, wir verlassen La Maddalena Richtung Süden

3. Oktober 2023

 

 Gerne wären wir in der Cala Marginetto noch zwei, drei Tage länger geblieben. Die Stimmung am Morgen danach war einmalig schön – still, klar und friedlich. Doch für die nächsten Tage war Starkwind für den La‑Maddalena‑Archipel angesagt, und wir wollten rechtzeitig eine geschützte Bucht finden. Also entschieden wir uns schweren Herzens, loszusegeln. Vom Land aus hat uns Robin noch nachgewinkt.

 

Wir sehen uns wieder, versprochen.


Mit zum Teil sehr gutem Wind sind wir von La Maddalena bis nach Golfo Aranci gesegelt. Unterwegs passierten wir die Isola delle Bisce, die Isole di li Nibani, die Isola delle Rocche, die Isola Mortorio und einige weitere kleine, vorgelagerte Inseln östlich der Costa Smeralda. Die Landschaft änderte sich ständig – je nachdem, ob wir nach Steuerbord oder Backbord schauten. Rechts die gepflegte, elegante Costa Smeralda, links die kleinen Inseln, wild, naturbelassen und genauso schön. Nach dem Capo Figari sind wir in den Golfo Aranci hineingefahren. Die riesige Bucht war fast leer, und wir verbrachten den Abend gemütlich an Bord. Vor zwei Jahren haben wir hier fünf Tage verbracht und kennen die Ortschaft inzwischen fast auswendig. Bis auf eine Hochzeit am Strand wirkte heute alles etwas verschlafen, fast schon wie im Winterschlaf.

Wir hatten hier vor allem eines gesucht: Windschutz. Und genau den haben wir gefunden. Die Nacht war ruhig und erholsam.

 

4. Oktober 2023

Wir verlassen Golfo Aranci Richtung Süden. Unser Ziel ist Porto Ottiolu, wo wir im Hafen bereits einen Platz gebucht haben. Mit hervorragendem Segelwind sind wir unterwegs gewesen und haben die Fahrt unter Segeln richtig genossen. Landschaftlich haben wir dadurch zwar wenig gesehen, aber wir kommen bald wieder zurück und werden uns dann mehr Zeit nehmen.

Porto Ottiolu kennen wir bereits. Eine sehr gepflegte, weitläufige Anlage mit Stränden sowohl im nördlichen wie auch im westlichen Teil des Hafens. Im Sommer ist der Ort kaum bezahlbar, und ausser den Preisen 😉 hat sich hier nicht viel verändert. Man spürt deutlich, dass es Oktober ist – alles wird ruhiger, entspannter, gelassener aber auch einsamer.

Wir lassen es uns trotzdem nicht nehmen, am Strand entlang zu laufen, einen Apero an der Bar zu trinken und die friedliche Atmosphäre zu geniessen. 

 

5. Oktober 2023

Auch diesmal schaffen wir es nicht weiter südlich als Porto Ottiolu. Heute starten wir den Rückweg und sind gerade einmal fünf Seemeilen Richtung Norden gesegelt. Wir wollen es ruhig angehen und uns Zeit lassen. Unser Ziel: vor dem Strand La Cinta bei San Teodoro ankern. Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob der Platz für die Nacht geeignet ist. Zum einen hatte es ordentlich Wind, zum anderen wirkte die Bucht auf den ersten Blick nicht besonders geschützt. Trotzdem entschieden wir uns, es zu wagen – und liessen den Anker fallen.

Und dann… einfach nur WOW. Selten haben wir etwas so Traumhaftes gesehen. Die Landschaft, das Wasser, der Sand, die gesamte Stimmung – alles wirkte wie aus einer anderen Welt. Wir waren fast allein da, was den Moment noch besonderer machte.

 

Mit den SUPs sind wir zum Strand gepaddelt, am Wasser entlanggelaufen, haben Fotos gemacht, die Drohne steigen lassen und die Ruhe genossen. Im Sommer wird die Besucherzahl hier kontingentiert – und wir verstehen jetzt sehr gut, warum.

 

6. Oktober 2023

 Von San Teodoro bis Porto San Paolo sind es zwar nur neun Seemeilen, aber wie gesagt: wir haben Zeit, und diese Region ist einfach wunderschön. Also lassen wir auch hier den Anker für die Nacht fallen. Das Wasser ist türkisblau und kristallklar, allerdings mit einigen kleinen Felsen durchsetzt – bei der Einfahrt in die Bucht ist also Vorsicht angesagt.

Porto San Paolo ist eine bezaubernde Ortschaft, im Moment allerdings recht verschlafen. Sie liegt in der Nähe von Olbia und fasziniert mit traumhaften kleinen Buchten und Stränden. Besonders beeindruckend ist die Kulisse der Inseln Tavolara und Molara, die man mit dem Boot in wenigen Minuten erreicht. Jetzt sind sie fast menschenleer – in den Sommermonaten dagegen leider völlig überfüllt.

 

7. - 8. Oktober 2023

 Porto Rotondo gilt als der kleine Bruder der berühmten Marina di Porto Cervo. Der Name «runder Hafen» kommt nicht von ungefähr – die Ortschaft wurde in eine nahezu kreisförmige Bucht gebaut. Genau wie Porto Cervo wird auch Porto Rotondo in den Sommermonaten vor allem von Gutbetuchten besucht. Hier wie dort trifft sich der nationale und internationale Jetset.

Umso mehr staunten wir, als wir für zwei Nächte nur knapp 70 Euro bezahlten – bei einem vorbildlichen Empfang und einem sehr angenehmen Aufenthalt. Ein echtes Schnäppchen. Wir waren zum ersten Mal hier, und auch wenn die Saison vorbei ist und alles etwas verschlafen wirkt, hat uns der Ort sehr gefallen. Alles ist sauber, gepflegt und liebevoll gestaltet. Viele Geschäfte und Restaurants haben bereits geschlossen, zum Glück aber nicht alle. Im Restaurant Tartarughino haben wir ausgezeichnet gegessen.

Besonders nett war die Begegnung mit unseren Schiffsnachbarn, die am selben Tag abreisten. Sie versorgten uns mit einem halben Vorratsschrank: Eier, Orangensaft, Gemüse, Früchte, Joghurts und vieles mehr. Eine unglaublich herzliche Geste. Nochmals ein grosses Dankeschön – und liebe Grüsse nach Deutschland.

 

9. Oktober 2023

Heute wussten wir nicht so recht, was wir machen sollen. Wieder einmal ankern? Oder doch lieber in einen Hafen? Unterdessen sind die Nächte ziemlich frisch geworden. Auch die Abende und frühen Morgen sind nicht immer angenehm, und zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang ist die Luftfeuchtigkeit extrem hoch – manchmal richtig ungemütlich. Das spricht eher gegen eine Bucht. Die Häfen sind geschützter und deutlich «flauschiger». Also sind wir erst einmal losgefahren und haben unterwegs entschieden, doch in einen Hafen
zu gehen. Zur Auswahl standen Palau oder La Maddalena. Obwohl wir erst vor einer Woche dort waren, haben wir uns erneut für Cala Gavetta entschieden. Dort ist es zwar laut und lebendig, aber nach all der Ruhe der letzten Tage tut ein bisschen «Action» richtig gut.

 

Wir haben den Abend hier wieder sehr genossen. Mit dem hervorragenden Platz direkt an der Promenade muss man gar nicht viel unternehmen – es passiert immer etwas, das man vom Schiff aus beobachten kann. Ein lebendiger, schöner Abschluss des Tages

 

10. Oktober 2023

Auf dem Weg zurück nach Porto Torres gibt es nicht viele Möglichkeiten, neue Marinas zu entdecken. Deshalb wollten wir an diesem Tag – und weil es uns dort so gut gefallen hat – erneut Isola Rossa anlaufen. Mit gutem Wind konnten wir segeln und erreichten den Hafen am späteren Nachmittag. Tagsüber ist das Wetter immer noch sommerlich warm, aber man merkt deutlich, dass die Tage kürzer werden und es früh dunkel wird. Nach dem Ankommen bleibt nicht mehr viel Zeit für Unternehmungen, doch das ist völlig in Ordnung. Wir haben in den letzten Wochen so viele Eindrücke gesammelt, so viel Schönes gesehen. Jetzt tut es gut, einfach einmal in Ruhe den Moment zu geniessen.

In Isola Rossa war es heute noch ruhiger als vor zwei Wochen. Die meisten Geschäfte und Restaurants sind geschlossen, und selbst die Hafenmeisterei öffnet nur am Vormittag kurz. Den Platz bekamen wir per Mail zugewiesen, und ausnahmsweise mussten wir ohne Unterstützung anlegen. Haben wir problemlos geschafft. Dream Team.

Der Sonnenuntergang war wieder einmalig.

 

11. Oktober 2023

Leinen los in Isola Rossa – letzter Schlag vor dem Einwintern.

Ohne Wind sind wir heute die 24 Seemeilen unter Motor gefahren. Am späteren Nachmittag liefen wir in Porto Torres ein. Die Freude, wieder hier zu sein, war gross – und die Dankbarkeit noch grösser, Cataleya ohne Schaden und ohne brenzlige Zwischenfälle sicher an ihrem Liegeplatz festmachen zu können. Wir hatten eine wunderschöne Zeit und so viel erlebt. Die Schönheit der Insel, zumindest jener Teil, den wir gesehen haben, ist überwältigend und macht Lust auf Meer. Die Sarden sind ausserordentlich hilfsbereit, und wir wurden überall freundlich empfangen.

 

In den nächsten Tagen wollen wir die Zeit in Porto Torres und Umgebung geniessen: gut essen und trinken, Sonne tanken, Meeresluft aufsaugen und Cataleya winterfest machen. Am 13. Oktober noch in La Pelosa baden, jawohl, sogar ich – und nur zehn Tage später heisst es bereits arrivederci. Die Fähre wartet dann schon auf uns. Bis Ende Jahr geht es zurück in die Schweiz.

 

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